In der Nacht über die Baie de Seine
Eigentlich sollte es eine ganz gemütliche Tagestour werden, als wir morgens um 06:00 Uhr die Leinen loswarfen und mit guter Laune, gutem Wetter und gutem Wind den Hafen von Boulogne im Kielwasser ließen. Dieppe an der Südküste des englischen Kanals hatten wir uns als Ziel ausgesucht und die ungefähr 50sm sollten wir leicht schaffen. Der frühe Aufbruch war den Tidenstömen geschuldet. Wir mussten mit bis zu 3,5ktn Strom rechnen, entweder gegenan, was ein Fortkommen kaum erlaubt, oder eben von hinten, was uns dahinschießen läßt. Also gerne etwas früher aufstehen und damit den Strom als Verbündeten.
Nach wenigen Anlaufschwierigkeiten wegen wechselndem und drehendem Wind hatten wir einige Stunden wunderschönes Segeln und waren schon kurz vor Dieppe, als uns ein Blick auf die aktuelle Wetterkarte (Internet sei Dank!) lehrte, dass wir schon am kommenden Tag mit einer ausgeprägten Westwindlage rechnen müssten. Wir würden so in Dieppe bleiben müssen. Nach einigem hin und her entschieden wir, dass jede Seemeile nach Westen uns helfen wird und wir änderten das Ziel von Dieppe (kennt sowieso keiner) nach Cherbourg. Damit wurde aus dem kleinen Schlag eine ausgewachsene Nachtetappe mit insgesamt 139 sm über die Baie de Seine. Ein wenig waren wir schon eingespielt mit den Nachtwachen, aber diesmal hatten wir Wind und Strom gegen uns und die Seemeilen wollten erkämpft werden, bis wir endlich vor der Hafeneinfahrt standen.
Wir trafen vor dem Niedrigwasser ein und hatten auf den letzten Meilen mehr Strom gegenan als wir erwartet hatten. Als wir endlich in den geräumigen Vorhafen einlaufen wollten, spukte dieser wohl 30 englische Segelyachten aus, so dass wir uns grummelnd seitlich aus der Affäre zogen, bis die letzten Entgegenkommer das freie Meer erreicht hatten. Dann aber schnell in den Hafen, die Marina, an den Steg und in die Kiste.
Nach ein paar Stunden nahmen wir wahr, dass wir in einer sehr vollständig ausgerüsteten Marina mit sehr aktiver Jugendarbeit gelandet waren. In regelmäßigen Abständen zogen Horden kleiner Segler harmonisch, begeistert und motiviert über die Stege, richteten die Boote und machten sich auf den Weg das Meer zu erobern.
Der Wetterbericht bestätigte die Ansagen vom Vortag. Wir sind jetzt ein bisschen weiter westlich, aber schließlich doch festgeweht und müssen warten, bis sich der Wind wieder mit uns verbünden will. Solange bleiben wir in Cherbourg.