Ein Paradies für die Superwellen
Reisen in vielen kleinen Schlägen war geplant; so war unser Zielhafen für diesen Tag Nazaré ungefähr 30sm entfernt. Um 08.45 Uhr legt Nils professionell ab, wenig später sind Fender und Leinen eingeräumt und auf geht's in die vorhergesagte Dünung von 2 bis 3 Metern. Auch wenn wir wieder schwache Winde erleben, war ja in den letzten Tagen draußen im Atlantik schweres Wetter. Und die vorhergesagte Dünung stellt sich als Überbleibsel eines Tiefdruckgebietes ein. Alle 9 bis 12 Sekunden läuft eine Welle durch, meist milde, d.h. John B. schwimmt ohne starke Krängung die Welle hinauf und hinunter, manchmal aber auch anstrengend, wenn steile Wellen durchlaufen und man ohne sich festzuhalten nicht auf den Füssen bleibt.
Die Crew hält sich draußen im Cockpit auf und entwickelt - die Dünung andächtig verfolgend - Theorien über die Wellen, ihre Entstehung und ihr hoffentlich schnelles abnehmen. Jürgen wird mit Prüfaufträgen ins Schiffsinnere geschickt. Schiffe müssen identifiziert werden, der Verbleib anderer muss geklärt, der Wetterbericht aktualisiert und ein Häppchen vorbereitet werden. Diese Aufgabenverteilung hat sich eingespielt, weil Jürgen als seekrankheitsfest gilt. Weshalb zeigt er heute diese seltsame gelbgrüne Gesichtsfarbe und mag kein Häppchen essen? Die Crew bezeugt ein über viele Jahr als unmöglich erachtetes Ereignis: Jürgen ist seekrank.
Jetzt hilft, draußen bleiben, den Horizont betrachten, Seekrankheitskaugummi kauen und essen(!). Und tatsächlich die eklige Übelkeit verschwindet nach einer halben Stunde und das Essen bleibt wo es ist.
So strebt John B. dem Hafen für die Nacht zu, Nazaré. Den meisten wird der Ortsname aus der Weihnachtsgeschichte bekannt vorkommen. Die Gemeinde der Surfer kennt Nazaré als Ort, an dem um die Weltmeisterschaft im Big Wave Surfing gekämpft wird. Hier gibt es die welthöchsten Wellen. Die Wellen ergeben sich durch einen Tiefseegraben, der sich bis dicht vor den Strand ausbreitet. Die Wassertiefe von über 100m findet man noch 800m vor dem Strand. Rollen die starken Atlantikwellen auf die Küste zu, so hebt der steil ansteigende Meeresboden die Wellen zu Wellenbergen auf, die 30m überschreiten; ein Ort, der die Surfer begeistert, den Seglern eher ein Runzeln auf die Stirn treibt.
Als wir gespannt auf Nazaré zuhalten, können wir nur unsere 3.5m Dünung ausmachen und laufen beruhigt in den Hafen ein. Freundlich vom Hafenmeister empfangen finden wir unseren Platz in einem kleinen aber gut gepflegten Hafen.
Wir treffen noch Segler aus unserer norddeutschen Heimat, teilen Pläne und Wettereinschätzungen und freuen uns, dass wir nicht surfen müssen.