Seebeine in Wanderschuhen
Schon in der frühen Phase der Reiseplanung hatten wir über La Gomera gelesen und hatten Lust entwickelt, das Innere der Insel auf Schusters Rappen zu erkunden. Die ersten Routen waren schnell geplant und wieder einmal war es gut, sich auf die Gemeinschaft der Seglerinnen und Segler verlassen zu können. Als wir auf dem Steg unsere Routen besprachen, konnten wir an den skeptischen Gesichtern ablesen, dass wir uns zuviel vorgenommen hatten. Die hohen Temperaturen auch jetzt im Winter, die z.T. ungeschützen und nur rudimentär angelegten Wege und die steilen Hänge bedeuteten für uns, dass wir uns sicher nicht mit 5 km/h vorwärts bewegen können. Also wurden Routen gesucht, für die es einen Plan B und C gibt, nur so für den Fall, dass die Wege nicht zu unseren Seebeinen passten. Landschaftlich schön sollte es natürlich auch sein und gut mit dem Bus zu erreichen.
So suchten wir uns einen Weg heraus, der am Ende des berühmten Valle Gran Rey, Tal des großen Königs, verlaufen sollte. Zumindest der Name versprach schon Großartiges. Der große König war ein König der Ureinwohner und hörte auf den klangvollen Namen Hupalupa (ohne Scheiß!, kann man unter Valle Gran Rey bei wikipedia nachlesen).
Der Bus brachte uns zur kleinen Ortschaft Chipude und wir waren dankbar, dass unsere Wander-App uns half, den Einstieg in den Weg auf dem Hinterhof eines kleinen Hauses zu finden. Der Weg hatte sich wahrscheinlich über die Jahre entwickelt, weil die Dorfbewohner sich ihren Pfad auf die umgebenden Felder gebahnt hatten. Befestigt war der Weg nur an besonderen Stellen, einige Stellen waren kaum passierbar, weil durch Steinschlag versperrt. Das Gelände war zunächst eintönig von Bodendeckern geprägt, so dass wir uns darauf konzentrierten, die Füße richtig voreinander zu stellen.
Aber kaum öffnete sich links von uns die Schlucht des Valle Gran Rey wurden wir richtig langsam. Nicht weil die Wege schlechter wurden, nicht weil uns die Puste oder das Wasser ausgingen. Alle 100m veränderte sich der Blick aufs Tal und die Skipperin musste anhalten, um Fotos zu schießen. Eine wunderbare Vegetation stand in Blüte, Terassenanlagen zeugten von früherer Landwirtschaft, der Weg schlängelte sich eng an der Felsenkante entlang und immer weiter öffnete sich die Schlucht bis endlich El Hiero, die Nachbarinsel im Dunst des Atlantiks zu sehen war.
Der Weg führte uns weit hinunter in die Schlucht und dann wieder hinauf und wiederholtes Schnaufen zeigte an, dass wir in den letzten Monaten kein Ausdauertraining absolviert hatten. Als dann eine Ortschaft, Las Hayas, mit einer Bushaltestelle auf dem Weg lag, beschlossen wir dort unsere erste Wanderung zu beenden. Es wird kaum die letzte gewesen sein.