Wieder auf dem Weg
Das war heute ein schöner Start in den Tag. Wir liegen in der Marina Pacito Blanco, die wir schon bei der Anfahrt auf die kanarischen Inseln kennengelernt haben. Nach der langen Zeit in der Marina Las Palmas verbunden mit dem Werftaufenthalt liegen wir nun wieder in einer Marina, deren einziger Zweck es ist, Booten einen Hafen auf Zeit zu bieten. Es gibt keine Notwendigkeiten und Zwangsläufigkeiten durch den Werftbetrieb, der Hafen braucht keine gute Verkehrsanbindung. Ich stecke meinen Kopf aus der Luke und nehme blauen Himmel, ein leichtes Schwingen des Bootes im sonst ruhigen Hafen und vor allem Ruhe wahr, geschafft.
Nachdem unsere Backbordmaschine nach 37 Jahren treuen Dienstes in diesem (immer noch wunderbaren) Boot ihren Dienst getan hatte, hatte sie während unseres Heimaturlaubs einen erheblichen Schaden durch innere Korrosion erlitten und es hatte sicher nicht geholfen, dass wir Wochen brauchten, um das Problem ausfindig zu machen. Der Volvo Penta Experte unseres Vertrauens riet zum Ausbauen und dann mal probieren, ob eine Reparatur geht; oder eine neue Maschine.
Es war eine etwas längere Geschichte bis wir uns ein umfassendes Bild gemacht hatten und die Entscheidung für zwei neue Motoren getroffen war. Sehr entscheidend war auch die Entwicklung der Dieselmotoren in den letzten Jahren. Wenn es tatsächlich geglückt wäre mit viel Aufwand einen Motor zu reparieren, hätten wir immer noch zwei 37 Jahre alte Motoren gehabt. Nun haben wir zwei moderne Motoren und spüren das bei jeder Bedienung. Vom automatischen Entlüften der leeren Dieselleitungen über das erste Starten der neuen Motoren nach 1.5s Druck auf den Startschalter, das hakelfreie Schalten der Getriebe machen viele, viele kleine Details einen großen Unterschied.
Der Weg zu den neuen Motoren war nicht ganz einfach. Ein Händler sprach von 5 Tagen, um die Motoren zu wechseln, die Werft schließlich von höchstens 3 Wochen. Am Ende waren wir nach 34 Tagen wieder im Wasser. Die Zeit war zwischen Warten, Begleiten der Techniker und Abstimmungen mit dem Management anstrengend aber eben doch endlich. Endlich lag John B. wieder im Wasser, wenige Umdrehungen hatten die Motoren schon gedreht, aber jetzt sprangen sie an, um die ersten Meter im Salzwasser zurückzulegen.
Wir brachten noch ein paar Tage in der Marina zu, für eine Testfahrt durch die Werft und für Restarbeiten. Aber mit einem Mal wurde der Wetterbericht wieder wichtig für uns. Gerade bläst ein recht ordentlicher Wind von 15 bis 20kts aus nördlichen Richtungen, so dass es uns zunächst nach Süden trieb.
Es hieß Abschied nehmen von lieben Menschen, die unsere Zeit in der Marina geteilt haben und durch ihre Anteilnahme unsere Zeit erleichtert haben. Aber das ist das Reisen, ein Schwingen zwischen neuem Wahrnehmen und Loslassen. So verlies die John B. den Hafen unter heftigem Winken und auch das eine oder andere Horn war zu hören.
Und 3 Monate in der Marina und 34 Tage in der Werft fordern ihren bemerkenswerten Tribut. Kurz nach dem Auslaufen und noch fast im Hafen gibt es eine große Welle. Untenstehend und nach dem Rechten sehend von einer Sekunde auf die nächste packt mich unvorhergesehen und unschuldig mangelnder Vorbereitung die Seekrankheit. Ich halte mich aufrecht und kann noch das eine oder andere erledigen, doch die Zeit unter Deck misst sich in Sekunden.
Und Diane? In großer Gelassenheit managt sie das Schiff, passiert schlecht gekennzeichnete Fischfarmen und steuert sicher unseren Kurs. Nach zwei Stunden schlafe ich im Cockpit ein, bis sich Wind und Wellen für die Ankunft in Pacito Blanco beruhigen. Aber vorher habe ich ihn noch gesehen, den Atlantik.