Im Dunst voraus liegt La Palma
Um 7:40 Uhr geht die Sonne auf, ein kleines Frühstück und auf geht's zum ersten rechten Seetag seit Wochen. Der Anker geht um 08:05 Uhr auf und die Steuerbordmaschine schiebt uns aus der Bucht. Wir rechnen, dass wir schnell die Abdeckung der Insel verlassen und dann kraftvollen Antrieb durch den Nordost-Passat bekommen. Deshalb beeilen wir uns, das Groß, 1. Reff, zu setzen. Die Erfahrung mit den Düsen entfaltet ihre Wirkung und wir halten Ausschau nach Schaumkronen oder anderen Anzeichen, die das Einsetzen des Windes ankündigen.
Nichts dergleichen kündigt schließlich den Passat an, es greift einfach nur erstklassiger Segelwind in die Segel. Schnell erreichen wir 18 Knoten und John B. läuft 7.7 Knoten bis in Spitzen 9.1 Knoten. Im handschriftlichen Protokoll erfolgt die ausformulierte Würdigung dieses Umstandes mit "heißa". Besonders bei Böen um die 23 Knoten freuen wir uns über die passend gewählte Segelfläche, weil John B. fast Rumpfgeschwindigkeit läuft, ohne dass das Bordleben durch zu viel Lage (Schräglage) beeinträchtigt wird.
Wir wundern uns, bald schon, dass wir La Palma nicht sehen können, obwohl dies von der Größe der Insel her leicht möglich sein sollte. So entschädigt uns La Gomera. Sie liegt für einige Stunden auf unserer Backbordseite und wir erkennen Plätze wieder, die wir schon besuchen durften.
Um 10:50 Uhr verlassen wir die Düse von Teneriffa und der Wind nimmt wie verabredet auf 12 bis 15 Knoten ab, wir binden das 1. Reff aus und John B. läuft unter Vollzeug zwischen 6 und 7 Knoten. Der Skipper kann sich den Vergleich mit anderen Yachten im Seegebiet nicht verkneifen. Sicher darf man das nicht tun, weil ja andere Kurse, unterschiedlicher Seegang usw. zu berücksichtigen wären. Aber 0.5 bis 1.5 Knoten mehr liest sich leichter als 0.5 bis 1.5 Knoten weniger. Der Wind ist außergewöhnlich konstant, ebenso konstant läuft das Schiff und wir genießen die Fahrt, das Rauschen des Heckwassers und die harmonische Bewegung des Schiffes in der See. So stellen wir uns das Vorankommen im Passat vor.
Gegen 16:35 Uhr erreichen wir die Südspitze La Palmas und erwarten, dass ebenso wie vor Teneriffa der Wind plötzlich einsetzte hier der Wind plötzlich aussetzt. Zunächst erfreut uns die Insel aber noch mit einer kleinen Düse und beschleunigt uns auf 8.5 Knoten. Der Skipper schaltet den Autopiloten aus und nimmt seinen Platz hinter dem Ruder ein, weil dieses Aussetzen des Windes sicher mit irgendwelchen Wirbeln einhergehen wird. Und tatsächlich der Nordostpassat erlischt übergangslos (in Sekunden eher als in Minuten) und wird durch einen schwachen Wind stark veränderlicher Richtung ersetzt. Die Segel erschlaffen und der Baum macht einige undefinierte Bewegungen. Und mangels eines rechten Windes steht der Skipper staunend und unfähig eines koordinierten Vorgehens vor diesem Naturereignis.
Nach wenigen Minuten stabilisiert sich die Situation und der Wind kommt mit wenigen Knoten wie erwartet von vorn. Die Segel werden eingepackt und die letzten der 67 Seemeilen unseres Schlages erledigt die Backbordmaschine. Der Hafen Tazacorte hält den Liegeplatz 113 für uns bereit. Der Marinero am Funk spricht leider kein Englisch, hat aber bis zu unserer Ankunft in der Hafeneinfahrt eine nette Dame gefunden, die uns zunächst per Funk, dann aber einfach per Zuruf alles Notwendige mitteilt. Der Zuruf gibt der Bezeichnung Ukw (Ultrakurzwelle) eine ganz neue Bedeutung.
Der Liegeplatz ist bald gefunden und bei idealen Bedingungen ist John B. schnell festgemacht. Ein Schlag, ein Tag für den wir wieder dankbar sein können.