Ende einer langen Wartezeit
Man kann sich nicht beschweren! Es gibt ungastlichere Häfen, schlechter ausgestattete Häfen, langweiligere Städte, schlechtere Bäckereien (Boulangeries) und schlechtere Restaurants (Brasseries). Alles was wir brauchen, finden wir in der Nähe, unser Liegeplatz ist angenehm, aber wir wollen weiter. Die Crews, die wir über die Wartezeit treffen, teilen sich auf in die zufrieden lächelnden und die etwas verkrampft optimistischen. Die zufriedenen Crews wollen nach Osten und freuen sich über den steten Westwind, die verkrampft optimistischen hoffen, dass das Wetter in 3 Tagen umschlägt und es endlich eine Ostwindlage gibt.
Es werden Häfen besprochen. Unser Ziel ist Roscoff. Die meisten Crews finden etwas zu reparieren, anzupassen und zu putzen. Unser freundlicher Liegeplatznachbar wartet auf eine Ersatzteillieferung für seinen Motor, die ebenso unzuverlässlich ist wie der Ostwind und wieder und wieder wird der Seewetterbericht konsultiert.
Wir arbeiten unsere ToDo-Liste ab. Man erinnert sich an die Punkte, die man auch unterwegs erledigen kann. Unsere Toilette kann nun wahlweise mit See- oder Frischwasser betrieben werden. Und unser Kühlfach hat wieder einen funktionierenden Kühlkompressor, was wir mit einer selbstgekühlten Flasche Sekt aus Grafenberg feiern. Außerdem checken wir ab und zu den Wetterbericht.
Und endlich bricht die ersehnte Woche an. Zunächst kommt das Ersatzteil und schließlich der erwartete Wind. Passend zum Strom wollen wir um 11:00 Uhr auslaufen, haben aber alle Vorbereitungen so schnell fertig, dass wir fast eine Stunde früher hochzufrieden den Hafen verlassen. Das Großsegel setzen wir noch im sehr geräumigen Vorhafen von Cherbourg. Nach der Hafenausfahrt passen Wind, Strom und Kurs. John B. fühlt sich wohl und wir laufen mit 8-9ktn unserem Ziel entgegen. Roscoff liegt ca. 20 Stunden voraus. Eine wunderschöne Zeit auf dem Wasser.
Und dann: Delfine! Eine rechte Schule kreuzt unseren Kurs. Wir sehen sie zum ersten Mal in der freien Wildbahn richtig springen. Sie setzen sich gerne für kurze Zeit an unseren Bug, drehen sich auf die Seite und sehen uns an. Dann schießen sie in die Tiefe davon und schon sind die nächsten dran. Die Begegnung mit Delfinen wird uns nie langweilig.
Der Tag fliegt vorbei und es kommt die Vollmond-Segelnacht mit wundervollen leichten Cirruswolken, die mit dem Mond ein dynamisches Lichterspiel an den Himmel zaubern. Später klart es auf und wir sehen das Firmament mit tausenden Sternen.
Die Abstimmung von Strom, Kurs und Geschwindigkeit fällt uns noch schwer. Mal sind wir viel zu früh, dann wieder zu spät für die gute Einfahrt in Roscoff. Um 08:00 Uhr wollen wir den Hafen erreichen, damit der Tidenstrom beim Anlegen nicht stört. Um 24:00 Uhr stehen wir vor der Côte de Goëlo. (Fortsetzung folgt)