Die Pläne für die nächsten Schläge sind gemacht
Vigo, eine mittelgroße Großstadt, wird in der Segler-Community dafür gelobt, dass man alles was man braucht bei den ortansässigen Händlern kaufen kann. So haben wir uns vorgenommen unser bordeigenes Lager aufzufüllen und dafür eine Woche einzuplanen, weil bestimmt Ersatzteile bestellt werden müssen. Die Marina hat ein Lieferabkommen mit einem Supermarkt, so dass auch die Lebensmittel bequem aufgefüllt werden können. Die meisten unserer Wünsche können wir erfüllen, leider bekommen wir keine Ölfilter für die Motoren. Aber sechs Tragetaschen gefüllt mit Lebensmitteln machen die Skipperin glücklich.
Und außerdem hatten wir uns ein besonderes Ereignis eingeplant. Für unsere Reise haben wir ein besonderes Vorsegel angeschafft. Die Barfußroute, auf der wir uns bewegen wollen, ist geprägt durch achterliche Winde. Für diese Kurse haben wir einen Parasailor angeschafft, der mangels passender Winde bisher in seinem Sack in der Vorpiek auf seinen ersten Einsatz wartet. Dieses Segel nötigt uns mit seiner Größe von 170m² soviel Respekt ab, dass wir hier in der Bucht von Vigo bei leichten Bedingungen einen Übungstag einlegen wollen. Und so machen wir uns auf den Weg und suchen in der Bucht nach ein wenig Wind. Wenigstens 6 kts verlangt der Hersteller des Segels und da wir auch diese nicht finden können, beginnen wir mit unseren Übungen bei 4 kts und versuchen, das Segel zu setzen und einzuholen. Das Setzen des Segels erfolgt mit einem Segelsack, der 18m lang ist, das eigentliche Segel enthält und am Mast hochgezogen wird. Wenn das erfolgt ist, wird der Sack nach oben in den Mast gezogen, er faltet sich in der Mastspitze zusammen und gibt das eigentliche Segel frei. Planmäßig sollte dann der Wind ins Segel greifen und es aufblasen.
Beim ersten Versuch fehlt selbst dieser Wind zum Aufblasen und die 170m² Segel schlackern vor dem Mast herum, so dass wir das Segel wieder bergen und weiter auf eine Böe warten. Als diese mit respektablen 4.5 kts einfällt, lässt sich der Segelsack nicht hochziehen, weil sich Schoten vertörnt haben. Das Segel wird mit vier Schoten geführt, an einem Fall hochgezogen und mit einem weiteren Fall wird der Sack hochgezogen, jede der Fallen und Schoten sind zwischen 25m und 40m lang. Das viele Tauwerk hat, vor allem, wenn es noch nicht im Einsatz ist, das dringende Bedürfnis sich mit anderem Tauwerk zu vertörnen. Wir schlagen die Schoten ab (3x) und sorgen für Ordnung. Beim dritten Versuch schickt Diane einen Jubelruf vom Vorschiff: "Es steht!" Tatsächlich steht das riesige Segel in blau-weiß vor dem Bug von John B.. Ein majestätischer Anblick. Das Schiff nimmt Fahrt auf, aber leider reicht der Wind nicht sehr lange, um das Segel stabil zu halten. Wir holen es nach kurzer Fahrt wieder ein, ein wenig stolz und sicher, dass das Segel uns noch viel Freude machen wird.
Der Plan auch angesichts der sehr aktiven Orcas vor der iberischen Küste heißt, dass wir nicht bis Lissabon segeln, sondern unseren Schlag Richtung Madeira nördlicher beginnen. Vielleicht schon von Porto aus soll's los gehen. Und unsere Crewverstärkung kann nach Porto einfliegen, also steht fest, dass wir zunächst Porto ansteuern wollen. Weil für die nächste Woche schlechtes Wetter angesagt ist, packen wir unsere Sachen und machen uns bei Abendnebel auf in eine Nachbarbucht für die Nacht: Baiona.